Artyom Geghamyan: Armenien muss eine Strategie für Seltene Erden entwickeln

| Interviews, Politik, Armenien

„Um hoch zu bauen, muss man tief stechen“, lautet ein mongolisches Sprichwort – passend für ein Binnenland wie Armenien, das seinen Reichtum an Bodenschätzen wertschätzt. Im Gegensatz zu seinem ölreichen Nachbarn Aserbaidschan verfügt Armenien über keine fossilen Rohstoffvorkommen. Allerdings besitzt es reichhaltige Mineralreserven, darunter Seltene Erden, die wichtige Rohstoffe für die weltweite Umstellung auf Elektrifizierung sind. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, dieses Potenzial zu erschließen. Bergbau ist keine schnelle Angelegenheit: Während die digitale Infrastruktur schnell voranschreitet und dabei auch mal etwas kaputt geht, erfordert die Rohstoffindustrie Geduld, Planung und Beständigkeit.

Armenien hat eine lange Bergbautradition. Der Sektor trägt über 5 % zum BIP und fast 30 % zur Industrieproduktion bei. Um Armenien jedoch in den globalen Lieferketten für Seltene Erden zu positionieren, braucht es mehr als nur die Mineralförderung – es braucht eine Vision.

Caucasus Watch traf sich mit Artyom Geghamyan, dem Vorstandsvorsitzenden der International Chamber of Mines of Armenia. Geghamyan ist ausgebildeter Jurist sowie ehemaliger stellvertretender Justizminister und bringt seine politische Expertise in den Vorstand ein. Wir trafen ihn auf dem APRI-Forum in Eriwan (11.–13. Juni), einem jährlichen Gipfeltreffen, das nur auf Einladung zugänglich ist und die Agenda Armeniens an der Schnittstelle von Geopolitik, Technologie und Energie veranschaulicht.

Verfügt Armenien über bestätigte Vorkommen Seltener Erde oder befindet man sich noch in der Explorationsphase? Würden für die Produktion bestehende Minen genutzt oder neue Standorte benötigt?

Armenien ist noch dabei, sein Potenzial für Elemente Seltener Erden (REE) zu erkunden. Zwar wurden geringe Mengen an REE und anderen wertvollen Metallen wie Rhenium und Tellur gefunden – hauptsächlich in Kupfer- und Molybdänminen wie Kajaran und Teghut –, doch gibt es keine bestätigten Vorkommen oder Anlagen für Seltene Erden. Entscheidend ist nicht, ob REEs vorhanden sind, sondern ob sie in den erforderlichen Konzentrationen vorkommen und ob die technologischen Fähigkeiten für eine wirtschaftliche Verarbeitung vorhanden sind. Derzeit ist Armenien eher in Bezug auf das geologische Potenzial als auf die Betriebsbereitschaft fokussiert.

In absehbarer Zukunft dürfte die Gewinnung von Seltenen Erden ein Nebenprodukt des Basismetallbergbaus sein. Dies ist bereits der Fall bei Rhenium, das in begrenzten Mengen aus Molybdänitkonzentraten der ZCMC gewonnen wird – allerdings nur, wenn die Marktpreise über 1.500 bis 3.000 US-Dollar pro Kilogramm steigen. Ein weiterer bemerkenswerter Standort ist das Abovyan-Erzfeld in der Nähe von Eriwan, wo die Oberflächenvorkommen von leichten Seltenen Erden wie Neodym und Lanthan 1.000 ppm überschreiten. Diese Materialien sind für Elektrofahrzeuge und Windkraftanlagen von entscheidender Bedeutung, aber der Standort befindet sich noch in einem frühen Stadium, und es findet noch keine Förderung oder Verarbeitung statt.

Armenien verfügt derzeit, wie viele andere Länder auch, nicht über die notwendigen Kapazitäten zur Raffination und Trennung von REE. Selbst die USA schicken REE-Konzentrat aus ihrer Mine in Mountain Pass zur Endverarbeitung nach China. China dominiert die gesamte Wertschöpfungskette vom Abbau bis zur Magnetproduktion, insbesondere für Neodym-Eisen-Bor-Magnete, die in allen Bereichen von Elektrofahrzeugen bis hin zu Verteidigungssystemen zum Einsatz kommen.

Die Produktion von REE stellt auch eine große Herausforderung für die Umwelt dar. In China leiden wichtige Bergbauregionen unter Umweltverschmutzung und Abfallproblemen. Für Armenien – insbesondere in Gebieten wie Syunik und dem Ararat-Tal – würden neue REE-Betriebe fortschrittliche Wassermanagement- und Abraumhalmsysteme erfordern, um nachhaltig zu sein. Die Wasserknappheit in den südlichen Bergbauregionen erhöht die Komplexität zusätzlich.

Strategisch ist die Rolle Armeniens noch unklar. Da China seine eigene REE-Politik überdenkt und westliche Länder auf eine Diversifizierung ihrer Versorgung drängen, gibt es nur ein kleines Zeitfenster für neue Marktteilnehmer. Länder wie Vietnam, Brasilien und Australien nutzen diesen Moment, unterstützt durch Investitionen und klare Mineralienstrategien. Im Gegensatz dazu hat Armenien zwar 2023 offiziell eine Strategie zur Entwicklung des Bergbausektors verabschiedet, aber es fehlt eine Strategie für kritische Mineralien, die auf die sich rasch verändernde globale Lage abgestimmt ist. Außerdem braucht das Land eine geologische Behörde, die sich auf die Exploration, Erschließung und Verifizierung von Ressourcen konzentriert, sowie direkte Handelsbeziehungen zu großen globalen Händlern und Magnetherstellern. Ohne diese Grundlagen bleibt die Geologie des Landes eher eine Hoffnung als ein realer Vorteil.

Caucasus Watch: Der Abbau von Seltenen Erden kostet 40 % mehr als typische Bergbauprojekte. Wie viel müsste Armenien investieren, und würde dies aus Krediten oder Eigenkapital stammen? Könnten armenische Bergbauunternehmen an den Börsen in London oder New York notiert werden?

Der Abbau von Seltenen Erden ist aufgrund der komplexen Raffination, der Umweltanforderungen und der hochtechnologischen Infrastruktur weitaus teurer als der Abbau von Basismetallen – in der Regel 30 % bis 50 % teurer. In Armenien könnten allein die Überprüfung der Vorkommen und die Durchführung von Pilotversuchen 5 bis 20 Millionen US-Dollar kosten. Wenn eine rentable Lagerstätte gefunden wird, würde die vollständige Erschließung wahrscheinlich 200 bis 500 Millionen US-Dollar kosten, wobei einige globale REE-Projekte einschließlich Veredelung und Magnetproduktion sogar 1 Milliarde US-Dollar übersteigen könnten. Die Finanzierung würde größtenteils aus privatem Beteiligungskapital, staatlich geförderten Investitionen und Abnahmeverträgen stammen, bei denen industrielle Abnehmer Kapital im Gegenzug für langfristige Lieferverträge bereitstellen. Dieses Modell ist weltweit verbreitet, insbesondere bei asiatischen Partnern.

Was die Börsennotierung angeht, sind die armenischen Bergbauunternehmen noch nicht bereit für London oder New York. Den meisten fehlt es an der Größe, Transparenz und Unternehmensführung, die große Börsen verlangen. Einige wenige – wie Kajaran, Amulsar, Teghut, Sotk oder Kapan – könnten sich mit erheblichen Verbesserungen qualifizieren, aber das Startkapital dürfte, wenn überhaupt, eher aus privaten Geschäften oder von Junior-Börsen wie der TSX-V in Toronto oder der AIM in London kommen. Börsengänge ohne nachgewiesene Reserven, ESG-Pläne und verbindliche Käufer werden keine ernsthaften Investitionen anziehen. Derzeit werden Börsen in Nordamerika gegenüber AIM bevorzugt, da sie einen besseren Zugang zu Kapital und strengere regulatorische Rahmenbedingungen bieten. Vorerst wäre es für Armenien ratsam, sich auf eine frühzeitige Eigenkapitalfinanzierung und bilaterale Programme wie die EU-Rohstoffallianz oder die US-Entwicklungsfinanzierungsgesellschaft (DFC) zu konzentrieren.

Der Abbau von Seltenen Erden ist äußerst wasserintensiv. Kann Armenien angesichts seiner geografischen Lage und seiner Wasserbeschränkungen eine solche Industrie unterstützen? Wenn ja, ist der Export von Seltenen Erden unter den derzeitigen logistischen Bedingungen rentabel?

Die Verarbeitung von REE erfordert aufgrund mehrerer chemischer Verfahren wie Auslaugung, Trennung und Reinigung immense Wasserressourcen – in der Regel zwischen 300 und 1.000 Kubikmeter pro Tonne Seltenerdoxid. Bei diesen Prozessen fallen außerdem gefährliche Abfälle an, darunter radioaktive und säurehaltige Abwässer.

Die geografische Lage und das Klima Armeniens machen die groß angelegte Verarbeitung von Seltenen Erden zu einer großen Herausforderung. Das Land ist bergig, hat keinen Zugang zum Meer und verfügt über keine größeren Flüsse, die für die Industrie genutzt werden können. Seine Stauseen, die bereits durch die Landwirtschaft, die Energieversorgung und den Verbrauch der Haushalte stark beansprucht sind, bieten wenig Spielraum für neue, wasserintensive Industrien. Das Ararat-Tal, eine der wichtigsten landwirtschaftlichen Regionen Armeniens, ist bereits von Grundwassermangel betroffen. Ohne strenge Wasserwirtschaft und öffentliche Konsultationen könnten die REE-Aktivitäten ökologische Schäden verursachen und sozialen Widerstand auslösen.

Um sicher voranzukommen, benötigt Armenien geschlossene Wasserkreisläufe und moderne Aufbereitungsanlagen, die jeweils schätzungsweise 5 bis 10 Millionen US-Dollar kosten und spezialisiertes Personal erfordern. Jedes System müsste internationalen Umweltstandards entsprechen. Dem Land fehlt auch ein nationaler Rahmen für die Wassernutzung im Bergbau, obwohl es Bedenken hinsichtlich der Abfallentsorgung an Standorten wie Kajaran und Teghut gibt. Eine gemeinsame, zentralisierte Wasserinfrastruktur wird notwendig sein, um die Kosteneffizienz und die Einhaltung der Vorschriften bei mehreren Projekten zu gewährleisten.

Was die Exportfähigkeit angeht, transportiert Armenien derzeit Mineralien in großen Mengen per Bahn über Georgien zu Schwarzmeerhäfen wie Poti und Batumi. Während dies für Konzentrate wie Kupfer und Molybdän funktioniert, stellen Seltene Erden – insbesondere in verarbeiteter oder separierter Form – eine größere Herausforderung dar. Armenien verfügt über keine eigenen Raffineriekapazitäten und hat keine festgelegten Exportregelungen für strategische Mineralien wie Seltene Erden. Mit einer geeigneten Planung könnten jedoch Exporte kleiner Mengen hochreiner Seltene Erden realisierbar sein. Dazu muss Armenien Partnerschaften mit der EU, den USA oder China eingehen und sich globalen Initiativen wie der Rohstoffallianz der EU oder der Critical Minerals Strategy der USA anschließen. Die Erfüllung von Umwelt-, Logistik- und Governance-Standards wird entscheidend sein, um dieses Potenzial auszuschöpfen.

Was ist die größte regulatorische Herausforderung für die Vermarktung von Seltenen Erden in Armenien?

Der armenischen Regierung gebührt Anerkennung für ihre erheblichen Anstrengungen zur Verbesserung des Investitionsklimas, insbesondere für die Erhöhung der Transparenz bei der Vergabe von Bergbaulizenzen und die Verpflichtung zu höheren ESG-Standards. Ihre Strategie zur Entwicklung des Bergbausektors bis 2023 bietet die dringend benötigte politische Verlässlichkeit für die nächsten acht Jahre und unterstreicht die Absicht der Regierung, sich stärker an internationalen Plattformen für Bergbau und kritische Mineralien anzupassen. Die Betonung der Stärkung der Gemeinden und der sozialen Verantwortung von Unternehmen, auch in den Bereichen Gesundheit und Bildung, spiegelt einen ermutigenden Wandel hin zu einer langfristigen, inklusiven Entwicklung wider.

Diese Schritte sind zwar zu begrüßen, reichen jedoch noch nicht aus, um mit dem Tempo und dem Umfang der globalen Entwicklungen in den Lieferketten für kritische Mineralien Schritt zu halten. Das größte regulatorische Hindernis liegt in der anhaltenden Abhängigkeit von veralteten geologischen Berichtssystemen aus der Sowjetzeit, die für internationale Investoren, insbesondere aus Kanada, Australien oder den USA, nur schwer zu interpretieren sind. Armenien arbeitet zwar an der Einführung weltweit anerkannter geologischer Rahmenbedingungen, doch die Umsetzung ist noch unvollständig.

Ebenso wichtig ist das Fehlen eines vollständig digitalisierten, für Investoren zugänglichen geologischen Vermessungssystems. Obwohl die Modernisierung der geologischen Datenbank Teil der Agenda der Regierung ist, stellen institutionelle Meinungsverschiedenheiten über Datenmanagement und Transparenz weiterhin Herausforderungen dar, insbesondere angesichts des sich verschärfenden globalen Wettbewerbs um Ressourcen. Darüber hinaus verwischt die staatliche Beteiligung an großen Bergbauunternehmen die Grenze zwischen Regulierungsbehörde und kommerziellem Akteur, was berechtigte Bedenken hinsichtlich potenzieller Interessenkonflikte aufkommen lässt. Um sich in der sich wandelnden globalen Architektur für kritische Mineralien zu positionieren, muss Armenien entschlossen vorgehen, um die Regulierungsreform abzuschließen und ein transparentes, modernes und den internationalen Markterwartungen entsprechendes System aufzubauen.

Die Mongolei nutzt ihren Reichtum an Bodenschätzen, um eine „Dritte Nachbarschaft“-Politik zu verfolgen, die die Abhängigkeit von ihren mächtigen Nachbarn ausgleicht. Kann Armenien einen ähnlichen Weg einschlagen?

Die „Dritte Nachbarschaft“-Politik der Mongolei ist eine strategische Initiative zur Diversifizierung ihrer diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen über Russland und China hinaus durch die Zusammenarbeit mit demokratischen Partnern wie den USA, Japan, Südkorea und der EU. Ihr Erfolg beruht weitgehend auf der Nutzung großer Bergbauprojekte – wie Oyu Tolgoi, das von Rio Tinto und dem japanischen Unternehmen Sumitomo entwickelt wurde –, um internationales Interesse zu wecken und sich in globale Lieferketten einzubinden. Dies hat die Mongolei, trotz ihres Status als Binnenstaat, zu einem strategisch relevanten Akteur gemacht.

Armenien sieht sich ähnlichen geografischen und sicherheitspolitischen Zwängen gegenüber: Es ist ein Binnenstaat, der von der Aggression Aserbaidschans bedroht ist und seine Beziehungen zu Russland neu definiert. Auch Armenien verfügt über bedeutende Bodenschätze: Kupfer, Molybdän, Gold, Zink, Antimon, Rhenium und erste Anzeichen für das Potenzial Seltener Erden. Allerdings hat Armenien diese Ressourcen noch nicht als geopolitische Instrumente genutzt. Das ist das Ziel von „Bergbau für Sicherheit“, einer Strategie, die von der International Chamber of Mines of Armenia (ICMA) gefördert wird.

Die Initiative, die teilweise dem mongolischen Modell nachempfunden ist, stützt sich auf vier Säulen: Gewinnung verschiedener internationaler Partner aus Ländern wie den USA, Kanada, Frankreich, Deutschland, Indien und Saudi-Arabien; Nutzung der Präsenz ausländischer Unternehmen als Gegenmittel zur geopolitischen Isolierung; Beteiligung an kritischen Mineralienlieferketten in den Bereichen Energie, digitale Infrastruktur und Verteidigung; und Aufbau diplomatischen Kapitals durch Handel und Ressourcenmanagement.

Die jüngsten Entwicklungen in Zentralafrika sind aufschlussreich. Die USA unterstützten ein mineralienbezogenes Friedensabkommen zwischen Ruanda und dem Kongo über die Region Goma, um die Versorgung mit kritischen Mineralien sicherzustellen. Dies spiegelt einen Wandel in der amerikanischen Politik wider, weg von der Bereitstellung von Hilfe hin zur Sicherung konkreter Inputs, insbesondere von Metallen. Anstatt Minen zu besitzen oder zu betreiben, bevorzugen die USA nun garantierte Abnahmevereinbarungen. Direkte staatliche Investitionen in den Bergbau, die einst selten waren, werden nun von beiden Parteien befürwortet, da Washington mit Schwachstellen in seiner Lieferkette konfrontiert ist.

Dieser Wandel findet weltweit Widerhall. Japan und Südkorea verfügen über die technologischen Kapazitäten zur Verarbeitung von Mineralien, aber nicht über die entsprechenden Rohstoffe. Deutschland sieht sich mit ähnlichen Defiziten konfrontiert. Frankreich investiert unterdessen mithilfe von Entwicklungsfinanzierungsinstrumenten wieder in seine ehemaligen afrikanischen Partnerländer. Das gemeinsame Ziel ist die Sicherung des Zugangs zu Mineralien, die die Grundlage für die Zukunft der Energieversorgung und Verteidigung bilden.

Vor diesem Hintergrund bietet das von den USA vermittelte Mineralienabkommen zwischen der DR Kongo und Ruanda eine Blaupause.

Armenien könnte sich als wichtiger Mineralienpartner positionieren, wenn es die Ressourcenentwicklung mit Transparenz und Reformen in Einklang bringt. Die bekannten Vorkommen in Sotk, Amulsar, Kajaran und Teghut sind gut geeignet, um Investitionen anzuziehen, insbesondere wenn Armenien seine Grenzen stabilisiert und diese Standorte in vertrauenswürdige internationale Lieferketten integriert. In diesem Szenario wird der Mineralreichtum Armeniens zu einem Friedensgut. Die USA erhalten sicheren Zugang zu wichtigen Rohstoffen, Armenien erhält ausländisches Kapital, politische Unterstützung und größere Widerstandsfähigkeit. Wenn sich „Bergbau für Sicherheit“ zu einer funktionierenden Politik entwickelt, könnte Armenien erfolgreich dabei sein, seine Geologie in Diplomatie umzuwandeln und seine Souveränität in globaler Relevanz zu verankern.

Wie sollte die Regierung Ihrer Meinung nach vorgehen, um das Potenzial Armeniens im Bereich der Seltenen Erden zu realisieren?

Armenien braucht eine klare, langfristige Strategie, um sein Potenzial im Bereich der Seltenen Erden zu vermarkten – eine Strategie, die das öffentliche Interesse, das Vertrauen der Investoren und die Verantwortung für die Umwelt in Einklang bringt. Die Regierung tut zwar recht daran, sich an den Bodenschätzen zu beteiligen, doch die direkte Beteiligung an Bergbauunternehmen führt zu Interessenkonflikten. Sie verwischt die Grenze zwischen Regulierungsbehörde und kommerziellem Akteur, was das Vertrauen der Öffentlichkeit untergraben und ernsthafte Investitionen verhindern kann.

Ein besserer Ansatz wäre die Einrichtung eines Staatsfonds. Dieser Fonds würde aus den Einnahmen aus dem Bergbau finanziert und in Infrastruktur, Bildung und wirtschaftliche Diversifizierung investieren. Er sollte unabhängig und professionell verwaltet werden und die endlichen Bodenschätze in langfristigen Nutzen für das Land umwandeln.

Um neue Vorkommen, insbesondere in abgelegenen oder unterentwickelten Gebieten, erschließen zu können, kann der Staat strategisch in Straßen, Versorgungsunternehmen und geologische Kartierung investieren.

Mit nachgewiesenen Reserven und einer gut funktionierenden Logistik wäre Armenien besser aufgestellt, um globale Akteure wie Glencore, BHP oder Freeport durch Joint Ventures oder Abnahmevereinbarungen anzuziehen. Entscheidend ist, dass Armenien sich an internationale geologische Berichtsstandards (JORC oder NI 43-101) anpasst, seine geologischen Daten digitalisiert und Genehmigungsverfahren vereinfacht. Diese Schritte würden dazu beitragen, die Unsicherheit der Investoren zu verringern und den Bergbausektor Armeniens an globale Normen anzupassen.

Die Realisierung des Potenzials von Seltenen Erden ist nicht nur eine Frage der Bodenschätze. Es geht darum, Institutionen, Infrastruktur und Partnerschaften aufzubauen, die natürliche Ressourcen in langfristige nationale Stärke verwandeln können.

Interview geführt von Ilya Roubanis für Caucasus Watch

Siehe auch

"Caucasus Watch" sucht lokale Experten aus Georgien, Armenien, Aserbaidschan und der Nordkaukasus-Region. Wir bieten eine flexible Form der Zusammenarbeit, eine angemessene Vergütung und Zugang zu einer europaweiten Leserschaft. Senden Sie Ihren Lebenslauf, ein Bewerbungsschreiben und eine Arbeitsprobe an redaktion@caucasuswatch.de. Für Fragen: i.dostalik@caucasuswatch.de.

Wir verwenden Cookies, um unser Angebot für Sie zu verbessern. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.