Der Präsident Nordzyperns besucht Aserbaidschan zum ECO-Gipfel und zu bilateralen Gesprächen

Am 2. Juli traf Ersin Tatar, Präsident der selbsternannten Türkischen Republik Nordzypern, in Aserbaidschan ein, um am 17. Gipfeltreffen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECO) teilzunehmen und mehrere offizielle Veranstaltungen in Baku und Khankandi zu besuchen.

Am Heydar Aliyev International Airport wurde Tatar von Samir Sharifov, dem stellvertretenden Außenminister Aserbaidschans, Birol Akgun, dem türkischen Botschafter in Aserbaidschan, und Ufuk Turganer, dem Leiter der Vertretung der Türkischen Republik Nordzypern in Baku, empfangen.

Während seines Besuchs wurde Ersin Tatar von der Technischen Universität Aserbaidschan (AzTU) die Ehrendoktorwürde verliehen. In seiner Rede bei der Zeremonie bedankte sich Tatar für die Anerkennung und betonte die historische Bedeutung dieses Moments: „Wir haben immer Unterstützung von Präsident Ilham Alijew bekommen.“

Der aserbaidschanische Ministerpräsident Ali Asadov traf sich mit Ersin Tatar, wobei beide Seiten die Bedeutung der Teilnahme Tatars als Vertreter eines Beobachterstaates am ECO-Gipfel hervorhoben. Die beiden Politiker diskutierten die jüngsten gegenseitigen Besuche und loteten Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen aus.

Ersin Tatar über die Beziehungen zwischen der TRNZ und Aserbaidschan

Am 3. Juli hob Ersin Tatar die wachsenden Beziehungen der TRNZ zu Aserbaidschan und die Bedeutung ihres Beobachterstatus beim ECO-Gipfel hervor und betonte die Möglichkeiten für eine strategische Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Tourismus und Bildung.

Tatar betonte, dass die Teilnahme an solchen internationalen Veranstaltungen aufgrund politischer Hindernisse eine Herausforderung für die TRNZ darstelle, und würdigte die langjährige Unterstützung der Türkei, die dies ermöglicht habe. Er verwies auch auf die konsequente Unterstützung Aserbaidschans und erinnerte an die frühere Erklärung von Präsident Ilham Alijew: „Ich habe immer hinter der Türkischen Republik Nordzypern gestanden.“ Tatar betonte, dass die Teilnahme am Gipfeltreffen in Aserbaidschan von besonderer Bedeutung sei, da die TRNZ zwar nur eine kleine Bevölkerung habe, aber eine strategisch wichtige Lage im Mittelmeerraum einnehme.

Er beschrieb die ECO als eine riesige Organisation mit einer Gesamtbevölkerung von rund 800 Millionen Menschen und bekräftigte, dass die Präsenz der TRNZ als unabhängiger türkischer Staat auf einer solchen Plattform angemessen sei und die wirtschaftliche Zusammenarbeit voranbringen werde.

Auf die Frage nach der internationalen Anerkennung räumte Tatar ein, dass die TRNZ zwar von den meisten Staaten der Welt nicht anerkannt werde, aber international ein gewisses Maß an Akzeptanz und Respekt erlangt habe. „Die Türkische Republik Nordzypern ist unabhängig, frei und für ihre eigene Zukunft verantwortlich“, bekräftigte er.

In Bezug auf die bilateralen Beziehungen zeigte sich Tatar zufrieden mit dem raschen Ausbau der Beziehungen und bezeichnete die Verleihung der Ehrendoktorwürde als Zeichen des Vertrauens und der Solidarität. Er hob die gemeinsame Geschichte, die kulturelle Verbundenheit und die gemeinsame Mentalität als Grundlage für die Beziehungen hervor.

Auf die Frage nach konkreten Bereichen für eine Zusammenarbeit verwies Tatar auf die Wirtschaft und Investitionen und wies auf die Präsenz vieler Aserbaidschaner in der TRNZ hin. Er bezeichnete den Tourismus als strategischen Bereich für eine Partnerschaft und erwähnte die steigende Zahl aserbaidschanischer Touristen. Tatar fügte hinzu, dass auch die Zusammenarbeit im Bildungsbereich angesichts der regionalen Bedeutung Aserbaidschans für die Zukunft der TRNZ ein Schlüsselbereich werden könnte.

Hintergrund der Beziehungen

Die Türkische Republik Nordzypern (TRNZ) ist ein De-facto-Staat, der seit seiner einseitigen Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1983 nur von der Türkei anerkannt wird. Die internationale Gemeinschaft, darunter auch Aserbaidschan, erkennt die Republik Zypern gemäß den Resolutionen der Vereinten Nationen als einzige legitime Regierung der Insel an.

Jahrelang nahm Aserbaidschan eine sorgfältig ausgewogene Position ein und unterstützte die territoriale Integrität Zyperns gemäß dem Völkerrecht, während es enge Beziehungen zur Türkei unterhielt. Infolgedessen vermied Baku formelle diplomatische Beziehungen oder hochrangige Treffen mit Vertretern der TRNZ, um die Beziehungen zu Zypern, Griechenland und der EU nicht zu belasten. Diese Politik begann sich zwischen 2022 und 2023 zu ändern, als Aserbaidschan seine öffentlichen Kontakte zu den Behörden der TRNZ allmählich verstärkte. Aserbaidschanische Delegationen nahmen an kulturellen, sportlichen und wirtschaftlichen Veranstaltungen in Nordzypern teil, und Beamte statteten inoffizielle Besuche ab, wobei sie häufig die „türkische Solidarität” anführten.

Das deutlichste Signal kam im Juni 2024, als Präsident Ilham Alijew während des Gipfeltreffens der Organisation der Turkstaaten (OTS) in Schuscha ein informelles Treffen mit Tatar abhielt. Auch wenn Aserbaidschan keine offizielle Anerkennung aussprach, war die Entscheidung, Tatars Teilnahme im Rahmen der „türkischen Welt” zuzulassen, eine wichtige symbolische Geste.

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